Eigentums- und Finanzfragen

castle 822815 640Kein Eigentum ... ?
Die meisten von uns sind auf Eigentum und die damit ersehnte Sicherheit konditioniert. Unsere Gesellschaft funktioniert in weiten Teilen über „mein“ und „haben“ und über Absicherung von Eigentum. Es erfordert einen mutigen Anlauf, um dem Leben ganz zu vertrauen,  Sicherheit im Teilen und im Miteinander zu finden, gruppenbezogener zu denken und zu fühlen.
 
Der genossenschaftliche Ansatz stellt dem Konzept Privateigentum eine solidarische Alternative gegenüber. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass eine Gruppe, bzw. Genossenschaft für dich sorgt, du deine Verantwortung abgeben kannst.  Eine Gemeinschaft, Genossenschaft, Gruppe funktioniert über die Umkehrung des Erwartungs- und Konsumprinzips. Die Frage an dich lautet also tatsächlich nicht, was die Gruppe bzw. Genossenschaft für dich tun kann, sonder vielmehr, was du zum Gelingen des Projektes beitragen kannst. Wir alle sind aufgefordert daran zu arbeiten vom Nehmenden zum Gebenden zu werden.
 
Genossenschaftsanteile und Finanzierung
Die Finanzierung des Projektes, einschließlich der Eigenmitteln zum Bauen von Wohnungen, wird über Genossenschaftsanteile realisiert, die die Mitglieder der Genossenschaft aufbringen (müssen). Mindestens 33% der Baukosten bestehen aus diesen eingebrachten Genossenschaftsanteilen. Demnach werden 67% durch Fremdfnanzierung (GLS.Bank, KfW, Privatdarlehen, Solidaranteile). Zins, Tilgung und laufende Kosten werden über die Miete erwirtschaftet, die jedes im Projekt wohnende Mitglied monatlich zahlt.
 
Was bedeutet das konkret in Zahlen?
Zur Zeit (Stand September 2017) kostet die Wohnfläche in unserem Projekt 2.000 bis maximal 2.050 Euro je Quadratmeter für eine mit natürlichen Baustoffen, hochgedämmte Wohnung. Verwaltung, Gemeinschaftseinrichtungen, Pacht etc müssen ebenfalls finanziert werden. Das alles und die Bedienung der Darlehen  müssen über die Mieten reinkommen. Die Miete je qm beträgt 7,20 Euro kalt. Das ist für unsere Gegend viel. Dafür gibts aber auch das Projekt als Ganzes und Mietsicherheit für viele Jahre. 33% des Quadrtameterpreises muss von dem zukünftigen Bewohner aufgebracht werden - je nach Größe der Wohnung. Wir sind durchaus daran interessiert die Wohnung möglichst klein zu halten: Flächenverbrauch zu reduzieren ist uns ein Anliegen. Das wir ein wunderbares Gemeinachaftshaus bekommen, fällt die Akzeptanz kleinerer Wohnungen vielleicht auch leichter. Wir werden sehen wie sich die Raumfrage entwickelt.
 
money 1005476 640Fremdfinanzierung
Dort wo Eigenmittel zur Zeichnung von Genossenschaftsanteilen nicht ausreichen, ist eine Fremdfinanzierung nötig. Die Finanzierung liegt in der Verantwortung aller und explizit in der Verantwortung eines jeden einzelnen. Es wird kein „Finanzierungsprogramm“ angeboten, das man buchen kann. Die Gemeinschaft ist in ihrer Gesamtheit aufgerufen Möglichkeiten zur Finanzierung zu finden und gemeinsam zu verantworten. Das gelingt, wenn wir solidarisch, einander wohlwollend zugewandt und bereit sind gewohnte Muster in Frage zu stellen. Wohnen, miteinander Leben, etwas wagen, finanzieren – das alles gehört zusammen. Das funktioniert nicht? Doch, tut es! Die ersten beiden Strohballenhäuser haben ihre finanzielle Baisis durch dieses wohlwollende Kapital von wohlmeinenden Menschen, durch den beschriebenen Solidar-Mix aufgebaut. Privatdarlehen und Genossenschaftsanteile sind für uns finanziell aber auch energetisch wichtig: sie geben uns den solidarischen Rahmen für dieses Projekt. Danke dafür! Mitmachende sind sehr willkommen. Wie das geht? Hier klicken.
 
Alles verändert sich - und dann?
Das Leben ist voller Überraschungen und Wendungen, alles Mögliche kann sich entwickeln - oder auch nicht. Solltest du eines Tages aus dem Wohnprojekt wieder ausziehen wollen, erhältst du deine Genossenschaftsanteile zurück. Genossenschaftsanteile sind vererbbar – jedoch nicht das Wohnrecht!  Stets entscheiden die Mitglieder über ein JA zu einem neuen Mitbewohner. Erben werden also finanziell abgefunden.